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Das Stalker Konglomerat - Relaunched

Veröffentlicht von fabi3550 am 05.03.2017

Anmerkung: Der Text erschien vor einigen Jahren bereits auf meinem alten Blog fabiantaubald.de. Ich halte ihn für einen der lesenswerteren Artikel von dort und übernehme ihn hier fehlerbereinigt und leicht angepasst.

Ich liebe deine Augen
Du webst das wunderbar flammende Spiel
Wenn du sie plötzlich erhebst
Und ein kleiner Blitz sticht ins Ziel
Ach, wüsste ich, was du erträgst
Ein noch stärkerer Zauberguß
Sind niedergeschlagene Augen
Denn im leidenschaftlichen Kuss
Und durch gesenkte Wimpern
Saugen sich Feuer
Aus düster vergangenem Fluss

Arseni Tarkowski

Jetzt rastet er aus, denkt ihr euch. Stimmt aber nicht. Das oben zu lesende Gedicht ist das Resultat einer langen Suche, die ich gestern beendet habe. Klingt jetzt zugegebenermaßen etwas dramatischer als es ist, denn eigentlich habe ich lediglich endlich mal einen Film zuende gesehen von dem ich mir schon lange vorgenommen hatte ihn zu sehen. Es handelt sich um Stalker (1979) von Andrej Tarkowski und man sagt, es sei einer der bedeutendsten Science-Fiction-Filme aus der Sowjet-Zeit. Mit einer Lauflänge von über 2,5 Stunden und exakt null Special Effects ist das aus heutiger Sicht eventuell etwas überbewertet. Es passt aber wieder wenn man andere ältere Werke (z. B. Solaris von Stanislaw Lem) zum Vergleich heranzieht. Dort zeichnet sich die Science-Fiction meist nicht durch unglaubliche technische Spielereien oder Weltraumschlachten aus sondern viel mehr durch philosopisch-politische Ansätze. Lange Strecken der Wüstenplanet-Reihe von Frank Herbert verhalten sich da ähnlich. Jedenfalls habe ich diesen Film nun endlich gesehen. Die Motivation dies zu tun habe ich seit etwa 2006, als Björks Volta-Album herauskam. Dort findet man den Track The Dull Flame Of Desire - ein Duett zwischen Björk und Anthony Hegarty von Anthony And The Johnsons. Der Song stach für mich sofort heraus und ist bis heute mein Lieblingssong des Albums und auch ein albumübergreifender Lieblingssong. Als ich las, dass der Text - der aus wenigen Zeilen besteht, die verschieden intoniert abwechselnd von den beiden Interpreten wiederholt werden - auf einem Gedicht aus dem Film Stalker basiert, habe ich mir selbigen umgehend bestellt.


Quelle: Youtube

Und dann begann das große Scheitern. Ich glaube, drei- oder gar viermal habe ich begonnen den Film zu sehen und jedes Mal bin ich ziemlich bis zur gleichen Stelle gekommen: Der Dialog nachdem die drei Hauptpersonen mit der Motordraisine in der Zone angekommen sind. Zone? Stalker? Ja, richtig. Auch die Computerspiele STALKER - Shadows of Tschernobyl und STALKER - Call of Pripyat basieren auf diesem Film. Die Spiele finden innerhalb der Sicherheitszone um den Unglücksreaktor von Tschernobyl statt. Im Film liegt die Zone an einem nicht weiter genannten Ort und wurde auch nicht durch einen nuklearen Unfall verursacht. Die genaue Entstehung der Zone ist im Film nicht mal weiter genannt. Lediglich im Vorspann werden Vermutungen darüber angestellt, wie die Zone entstanden sein könnte. Bekannt ist, dass in der Zone übernatürliche Dinge geschehen. Im Film ist ein Stalker nicht ein Verrückter, der irgendwelchen Leuten nachstellt, sondern eine Art Ortskundiger, der Leute illegal durch die Zone führt. Diese ist nämlich militärisches Sperrgebiet. Ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller nehmen seine Dienste in Anspruch. Beide haben als Ziel einen Raum in der Zone, von dem man behauptet, Wünsche, die in ihm ausgesprochen werden, würden anschließend wahr werden. Schlußendlich stellt sich heraus, dass keiner der beiden jemals vor hatte, einen Wunsch in diesem Raum auszusprechen. Aber ich will hier nicht spoilern.


Quelle: Youtube

Der Film ist bildgewaltig, das muss ich ihm lassen. Ich besitze eine DEFA-Kopie des Films, also jener Nachvertonung, wie sie in der DDR gezeigt wurde. Das Bildmaterial ist leider qualitativ unglaublich schlecht. Ich habe im Nachhinein youtube-Trailer gefunden, die eine wesentlich bessere Qualität aufwiesen (wie der oben auch). Wer sich also ein Exemplar für das eigene Regal beschaffen will, sollte um die Editionen der Icestorm Entertainment GmbH einen Bogen machen. Die vertreiben nämlich diese Kopien wie ich sie habe.
Gerade habe ich mir ein Buch bestellt. Es heißt Picknick am Wegesrand und welch überraschung, es steht ebenfalls in direktem Zusammenhang mit dem Film. Oder genauer: Der Film basiert auf einem Kapitel des Buches. Wenn auch laut deutscher Wikipedia im Film von den Originalelementen des Buches nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist, so wird das Buch auch im Vorspann des Films als Grundlage genannt.

Ich hoffe, ich konnte meine Begeisterung für die feinen Verstrickungen des Stalker-Konglomerats ein bisschen greifbar machen. Derzeit bin ich noch auf der Suche nach der kyrillischen Original-Transkription des Gedichts vom Anfang. Falls jemand Zugriff darauf hat, gerne eine Mail an mich.


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